Brazilian Jiu Jitsu Phänomen

Die zierliche Japanerin Akiko Sawada  demonstriert das Grundprinzip des BJJ in Perfektion: Es ist die Kunst, mit welcher ein körperlich krass unterlegener Kämpfer unter Einsatz seines Unterkörpers gegen den Oberkörper des viel Stärkeren kämpft. 

Ab 1:14:04 wirds spannend. Zuest zerlegt die Amerikanerin Mac Man eine zierliche Japanirin. Und dann kommt Akiko Sawada. Sie ist rund 20 kg leichter.....schaut auch den Kampf nach Mac Man an....Ein Lehrstück zur Effizienz des BJJ.

Fundamentals vs "advanced technics"

In diesem Video erklärt Ryan Young, warum die Grundtechniken des Brazilian Jiu Jitsu viel wichtiger sind, als die sog. advanced technics. Dazu zählen beispielsweise 50/50, De la Riva, Berimbolo etc. Auf den Punkt gebracht ist seine zutreffende Kernaussage, dass die Grundtechniken eine wesentlich höhere Erfolgsrate haben als sehr spezialisierte Techniken. Ryan Young stammt von der Rickson Gracie Linie ab und gibt in diesem Video wertvolle Einsichten dieses legendären Kämpfers wieder.

Positionsarbeit ist die Basis, die Submission nur das Sahnehäubchen (Gordon Rayen vs Romulo Barral).

Im Grappling liegt besonders zu Beginn der Karriere der Fokus oft zu sehr auf den Submissions. Submissions sind sozusagen das Sahnehäubchen, aber nicht die Essenz des Grapplings. Essenziell ist, was der Kämpfer mit seinem Rumpf tut. Der Rumpf ist wie die Dame im Schach. Er ist die stärkste Figur im Grappling, dem "human chess". Hier ein Beispiel einer gelungenen Analyse zum Perfekten Guardpass von Gordon Ryan. Es geht nicht darum, genau die von Gordon gewählte Technik zu kopieren, sondern darum, ein Auge auf die perfekten Bewegungen seiner Hüfte zu werfen, die ihm letztlich den Erfolg bringen.

Helio Gracie zu Graduierungen

Hier ein interessantes Video zum Thema Graduierungen. Helio Gracie hat dazu eine klare und dezidierte Meinung. Die Graduierungen sind dazu da, die Fähigkeiten als Lehrer zu dokumentieren. Als Kämpfer gibts keine Graduierungen. Seine Begründung ist einleuchtend. Aber seht selbst....

Momentum

Manchmal wichtiger als Position.

Interessanter Stilvergleich: Kompression vs Bewegung

Sektor Süd holt gewaltig auf.....Leglocks

Der Sektor Süd - nennen wir ihn einfach mal so - holt gemäss internationalen Statistiken enorm auf. Und zwar gilt dies für Grapplingturniere wie für das MMA gleichermassen. Vor rund 10 Jahren wurde an internationalen Wettkämpfen noch wenig über den Sektor Süd gesprochen. Ich erinnere mich, wie damals ein MMA Kämpfer von einem Seminar aus Genf zurück kam und mir ganz begeistert von Oleg Taktarov erzählte. Oleg - the Russian Bear - war zu den Anfangszeiten der UFC schon eine Legende. Im damaligen Seminar in Genf zeigte er seine Angriffe gegen den Sektor Süd - alles Leglocks.  Oleg nahm mit seinem technischen Repertoir punkto Leglocks die kommende Entwicklung voraus. Nachfolgend seht ihr ein Tribute Video über Oleg aus den wilden Anfangszeiten der UFC.

Spannend wirds bei 1:45. Dieser leglock entry in einem MMA Kampf, zu einer Zeit als noch kein anderer MMA Kämpfer sich eingehend mit dem Sektor Süd beschäftigte, ist schlicht eine Klasse für sich. 

Und hier passend zum Thema Leglocks die internationale Statistik zu den Submissions, welche einen Kampf beendeten. Der Sektor Süd holt gewaltig auf.Wir sprechen dabei von MMA! Bei Grapplingtournieren dürfte die Statistik noch drastischer den Vormarsch des Heelhooks zeigen. 

Grappling Phänomen Graig Jones versenkt BJJ Superstar Leandro Lo. Lessons to learn....

Am Prestige-Tournier ADCC in Abudabi 2017 schockte Graig Jones die BJJ Welt. Bei seinem Match gegen Leandro Lo liess er dem Flaggschiff des BJJ nicht den Hauch einer Chance. Nun, Stars kommen und gehen. Das wäre nicht weiter erwähnenswert. Das Besondere an Graig Jones jedoch ist, dass er weder durch eine imposante Physis à la Cyborg oder Palhares auffällt, noch aus einer brasilianischen Talentküche kommt. Der Junge kommt aus einer Garage in Australien und scheint die Suppe der brasilianischen Köche ziemlich zu versalzen. Warum gelingt ihm das?

 

Weil er eigene Wege geht. Er schreitet nicht auf den längst ausgetretenen Pfaden. Im nachfolgenden Video ist das sehr schön zu sehen. Leandros Bewegungsrepertoire verharrt stereotyp in der altbekannten Strategie: Marschrichtung gegen Norden. Will heissen - Guardpass - Sidemount etc.....Eine andere Bewegungsrichtung als jene gegen Norden scheint er nicht abrufen zu können. Mit der unorthodoxen Z-Guard und ihren vielen Variationen kommt er ganz offensichtlich nicht zurecht. Der Kampf ist ein Lehrstück dafür, was jahrelanges Drillen der immer gleichen Bewegungsmuster mit dem Gehirn solcher Wettkämpfer macht: Ihre gespeicherten Bewegungsmuster werden eindimensional. Auf ungewöhnliche Situationen können sie nicht mehr adäquat reagieren. Genau dies dürfte auch der Grund sein, warum Kämpfer aus Ost-und Nordeuropa in der UFC im Vormarsch sind. Sie gehen neue Wege. Es geht darum, sich aus altbewährten Mustern heraus zu lösen und spielerisch neue Wege zu gehen. Offenbar gelingt dies in einer kleinen Garage irgendwo Down Under besser als in jedem Hightech Gym mit hochrangigen Blackbelts. Drei, vier Grapplingverrückte in einer Garage gehorchen ganz bestimmt keinen Autoritäten. Sie probieren Neues aus, haben Fantasie und Freude am Experimentieren. Und hier nun das Lehrstück, welches übrigens nicht mit einem Leglock endet, wie man das erwarten würde. Die Zukunft heisst Denken, nicht Drillen.....


Flow Roll im Brazilian Jiu Jitsu

Man kann nicht genug betonen, was unter anderem auch Rickson Gracie als Leitstern beim  Randori sieht: Flow Roll. Keine hektischen Bewegungen, kein Krafteinsatz, kein Ego. Dann, und nur dann kann unser Gehirn stressfrei alle gelernten Bewegungsmuster abrufen und neue Techniken im Randori integrieren. Warum Randoris oftmals trotzdem mehr einem Überlebenskampf gleichen, ist letztlich physiologisch erklärbar, aber vollkommen sinnlos. 

 

Auch sind nationale Unterschiede zu beobachten. Es ist jedoch kein Zufall, dass gerade jene Nationen im Grappling/Brazilian Jiu Jitsu die herausragendsten Kämpfer hervorbringen, die zum Randori einen lockeren, unverkrampften Bezug haben (USA, Australien). 

 

Die gute Nachricht ist: Ob wir in einen ernsthaften Kampf auf der Strasse verwickelt werden oder im Flow Roll im Brazilian Jiu Jitsu, Catch Wrestling oder Sambo üben - unser Gehirn ruft genau die gleichen Bewegungsmuster ab. Einfach mit dem Unterschied, dass Verletzungen vermieden werden und unser Gehirn im Flow Roll sogar noch schneller lernt. Klingt gut, oder?

 

Nachfolgend wieder mal ein Videobeispiel. Diesmal mit dem Ausnahmetalent Graig Jones aus Australien. Er kam mehr oder weniger aus einer Garage direkt auf die internationale Bühne. Sein Stil ist sehr eigen, sehr locker, fliessend und freundschaftlich. Ein sehr gutes Beispiel für eine extrem steile Lernkurve im BJJ. Lockerheit zahlt sich aus....


Bis zur Graduierung zum Blaugurt ist Weihnachten

Jeder Weissgurt wird im Brazilian Jiu Jitsu zu Beginn seiner Karriere von all den technischen Möglichkeiten überwältigt sein. Motivierte Schüler schreiben sich vieles auf, führen ganze Tagebücher und verschlingen Bücher. Das ist gut, um sich einen Überblick zu verschaffen. Bald jedoch wird jeder merken, dass all die tollen Techniken zwar wie schöne Weihnachtskugeln am Baum hängen, dass sich diese Techniken dann aber leider im Randori nicht abrufen, geschweige denn anwenden lassen. Das geht allen im BJJ so. Die Zeit als Weissgurt sollte jeder als  Experimentierphase nutzen und sich die Freiheit gönnen, möglichst viele Techniken mal auszuprobieren. Ab Blaugurt jedoch muss der Schüler ein anderes Kapitel aufschlagen. Immer noch wird er vor diesem Weihnachtsbaum stehen und staunen. Aber nun wird es für den BJJ Lernenden Zeit, Techniken auszusortieren, die für seinen Körperbau, seine Beweglichkeit, sein Alter etc. nicht adäquat sind. Mit dem Blaugurt beginnt die Phase des eigenen Jiu Jitsu. Coaches, die nicht einfach nur ihr Wissen vermitteln wollen, ermuntern BJJ Schüler, ab Blau den eigenen Weg zu gehen. Der eine geht tiefer in das Thema der Double Wrist Locks, der andere auf Leglocks, wieder ein anderer wird Spezialist der Rubberguard etc. Der Vorteil dieser Freiheit liegt auf der Hand: In einem Dojo wird das generelle Niveau mit all diesen "Spezialisten" steigen. Letztlich profitieren alle, wenn BJJ Schüler die Freiheit haben, ihr eigenes BJJ zu entwickeln.


Die Wurzeln des BJJ liegen auch in England...

Helio Gracie hat das traditionelle Jiu Jitsu modifiziert und unbestreitbar effizienter gemacht. Sein Beitrag an die Weiterentwicklung des Jiu Jitsu im Hinblick auf Selbstverteidigung und Effizienz kann nicht hoch genug veranschlagt werden. Doch war dies kein genialer Alleingang, sondern eine geschickte Synthese von verschiedenen Einflüssen aus der damaligen Zeit.

 

Zentral dabei ist die Figur von Maeda. Er reiste als Gentleman bis nach Brasilien, war jedoch von seiner Profession her ein Profikämpfer mit über 1200 Kämpfen weltweit. Regeln gab es damals praktisch keine, mit Ausnahme von Beissen und Augen ausstechen.

 

Was wenig bekannt ist, ist die Tatsache,  dass Maeda längere Zeit in England war und dort mit dem sog. Catch Wrestling in Berührung kam. Catch Wrestling gab es zur damaligen Zeit in verschiedenen Ausformungen. Den übelsten Ruf hatte die Lancashire Variante, weil dies ein purer Submission Stil ohne Restriktionen war. 

 

Wer sich heute mit modernen Positionen wie "the Truck" im BJJ bzw. Grappling beschäftigt, möge einen Blick auf das nachfolgende Foto werfen: Den sog. "Spread Eagle" hatten die Catch Wrestler aus England schon 1910 längst im Repertoire. Der alte Name scheint mir auch passender.

Als Profikämpfer war Maeda auch in England aktiv. Da das Catchwrestling rein europäische Wurzeln hat, wartete es für Maeda auch mit einigen für ihn neuartigen Submissiontechniken auf. Diese CACC Techniken brachte er nach Brasilien, wo sie auf fruchtbaren Boden fielen und unter anderem auch von Helio Gracie in sein System übernommen wurden. Die Wurzeln des Brazilian Jiu Jitsu liegen daher nicht nur im fernen Osten, sondern ebenso in England.

 

Übrigens ist kein Geringerer als Kazuki Sakuraba - "the Gracie Hunter"-  ein Schüler von Billy Robinson. Ebenso wie Josh Barnett.

 

Billy Robinson wiederum ist der Grand Seigneur des Catch Wrestling. Im folgenden Video ist Billy Robinson zu sehen, wie er Josh Barnett unterrichtet.

Und nachfolgend ist das legendäre CACC Gym "Snake Pit" unter dem ebenso legendäre Billy Riley in England zu sehen.

Und hier der Einsatz des "Nelson".....wie er typisch für das CACC ist.


Und nochmals zum Thema sinnvolles Randori. (Was Rickson Gracie zu richtigem Randori sagt....)

Das beste Training ist jenes, welches die Realität simuliert. Nichts kommt diesem Grundsatz so nahe wie Randori im BJJ. Dabei sind zwei Ziele zu unterscheiden: 1. Konditionstraining. In diesem, aber nur in diesem Fall, soll das Randori anstrengend sein. 2. Technische Weiterentwicklung. Keine Frage: dieses Ziel sollte in der Mehrheit aller Randoris im Vordergrund stehen. Der Grund ist einfach: Konditionstraining lässt sich auch anders trainieren. Warum wertvolle Trainingszeit auf der Matte verschwenden, wenn Konditionstraining ebenso effektiv ausserhalb des Dojos trainiert werden kann?

 

Die beiden Ziele (Konditionstraining vs technisches Training) sind strickte auseinander zu halten. Sie können rein physiologisch gesehen nicht gemischt werden, weil unser Gehirn unter körperlicher Anstrengung keine neuen Bewegungsmuster integrieren kann. Beim technischen Training geht es jedoch genau darum, neue Bewegungsmuster zu erlernen. Mit anderen Worten: Konditionstraining und zugleich sinnvolles technisches Training im Randori verbinden zu wollen gleicht der Quadratur des Kreises. Es geht schlicht nicht.

 

Leider wird das in den allermeisten Fällen komplett übersehen. Die Mehrzahl der Randoris sieht so aus, als würden zwei ums Überleben kämpfen. Als Konditionstraining mag dies brauchbar sein. Als Weiterentwicklung der eigenen Technik ist es unbrauchbar.

 

Ich sah viele BJJ Schüler, die genau aus diesem Grund mit der Zeit technisch stagnierten. In der Regel setzt dann ein Teufelskreis ein. Die Betroffenen merken, dass sie technisch nicht weiter kommen und versuchen diesen Mangel mit noch mehr Körpereinsatz im Randori zu kompensieren. Vermehrte physische Anstrengung jedoch verschlechtert die Fähigkeit noch mehr, neue Bewegungsmuster zu lernen. Also noch mehr Krafteinsatz......usw.

 

Zufällig stiess ich auf eine interessante Aussage von Rickson Gracie, die perfekt zu diesem Thema passt. Lassen wir den Meister selber sprechen: 

 

(Quelle: Rickson Gracie Association Newsletter)

“Even when you spar during training, you should minimize your natural talents.  By limiting yourself, you may find yourself in much worse situation, but you are forced to think your way out, using techniques you would not have otherwise used. When you start doing this, you begin to understand what is really wrong in a certain situation and you begin to understand what actually needs to be done in a technical way in order to improve the situation. You then begin to develop a real, deep progress, understanding the mechanics of any situation.”
“It is important to remember that in a serious fight or in a competition, the mechanics of the fight will be exactly the same as when you are training in a gentle manner. The only important difference will be your mental attitude. When you train, you should put more emphasis on learning than on competing with your partner.”
“You don’t learn when you are fighting, bringing in all sorts of tension and emotion. You learn when you are having fun, training in a smooth and gentle way. You need to work on improving your technique until you are comfortable in any situation. Eventually, you will develop a subconscious understanding of the techniques and they become reflexes. Only after you have done all this you are ready to take your natural abilities “off the shelf” and add them back into your game. Now the effectiveness of the technique will be at least ten times better.”

Die Boyle Skala der Gracies

Homo sapiens ist in der Regel ein kompetitives Wesen. Das sich gegenseitige Messen liegt ihm sozusagen im Blut. Nun bieten Grapplingsportarten wie Brazilian Jiu Jitsu die perfekte Bühne für solches Messen. Die Sache hat nur einen Haken: Homo sapiens verliert nicht gern. Er liebt den Wettkampf, aber er hasst das Verlieren.

 

Den Gracies fiel schon bald einmal auf, dass viele Schüler oder auch Kämpfer ab 30-35 Jahren oftmals mit Brazilian Jiu Jitsu aufhörten oder zumindest in eine mittlere Sinnkrise fielen, weil sie im Randori mehr und mehr gegen jüngere Schüler im eigenen Dojo Schwierigkeiten bekamen. Fakt ist - und es lohnt sich dies ganz nüchtern zu verinnerlichen - ab einem Alter von 25 Jahren beginnen physiologische Abbauprozesse. In Bezug auf sehr kraftbetonte Sportarten heisst dies, dass die individuelle Leistungsspitze in etwa bei 25 Jahren liegt. Im Ausdauerbereich lassen sich Höchstleistungen bis etwa 35 abrufen. Brazilian Jiu Jitsu zeichnet sich als "Hybridsportart" aus. Kraft- und Ausdaueranforderungen halten sich in etwa die Waage, sodass die physiologische Leistungsspitze eben zwischen 30-35 Jahren erreicht ist. 

 

Neben dem Altersunterschied spielt auch der Gewichtsunterschied im Randori eine wesentliche Rolle. Boyle war ein BJJ Kämpfer, der bei den Gracies in Kalifornien trainierte. Je älter er wurde, umso mehr musste er als Schwarzgurt bei tiefer Graduierten tappen. Aber Boyle war ein sehr rational denkender homo sapiens. Er führte sich glasklar vor Augen, dass der Grund nicht  in einer schlechter werdender Technik bestand, sondern einzig und allein dem physiologischen Leistungszyklus geschuldet war.  Er ist der Erfinder und Namensgeber der sog. Boyle Skala, welche von den Gracies übernommen und seither immer dann den Schülern in Erinnerung gerufen wird, wenn Frust sich breit macht, der seinen Grund in einem Gewichts- und Altersunterschied hat.

 

Die sog. Boyle-Skala übersetzt die beiden Faktoren Alter und Gewicht in BJJ-Gurte. 

 

Die mittlerweile weltweit anerkannte Boyle Skala lautet:

 

1 Boyle Gurt = 7 Jahre Differenz oder 7 Kg Differenz.

 

Hier zwei Beispiele.

 

A ist Purpel Belt, 32 Jahre alt und 70 kg schwer. B ist Weissgurt, 25 Jahre alt und ebenfalls 70 kg schwer. Bei B ist ein Boyle Belt hinzuzurechnen (Altersunterschied zu A = 7 Jahre > 1 Boyle Belt). B fühlt sich für A wie ein Blue Belt an. 

 

A ist Blackbelt, 49 Jahre alt und 70 kg schwer. B ist Weissgurt, 21 Jahre alt und 77 Kg schwer. Bei B kommen 5 (!) Boyle Belts dazu. Wenn A mit B rollt, fühlt es sich für A so an, als würde er gegen einen Blackbelt 2. Grad rollen. Das erscheint krass? Das ist es auch! Aber: Face the facts.....so ist das Leben. Wer die Boyle Skala nicht akzeptieren will, baut Luftschlösser und wird letztlich irgendwann frustriert die Matten verlassen. Das ist immer schade. Denn technisch kann jeder sich immer weiter und weiter entwickeln. Spielt es da eine Rolle, ob man im Randori gewinnt?  

 

Nachfolgend seht ihr ein Video mit Rener Gracie. Er gehört unzweifelhaft zu den Besten. Hier rollt er mit einem Blaugurt, der ihm physisch bei Weitem überlegen ist (NHL-Spieler). Es ist ein freundschaftliches Randori, in welchem der kräftige Mann sich sehr zurück hält. Ganz am Schluss erwähnt Rener Gracie kurz die Boyle Gurte ("....he has got a lot of Boyle Belts advantage over me....." Check Video bei 12:46)....Für Rener ist der Mann wohl ein Schwarzgurt....

 

Also, bevor ihr frustriert von dannen zieht, vergesst die Boyle Gurte nicht!

 

Sinnvolles Randori, sinnloses Randori

Randori, das "Rollen" im Brazilian Jiu Jitsu, kann auf ganz verschiedene Arten vollzogen werden. Und doch gibt es einige Faktoren, welche jedes Randori sinnvoll - sprich lernfördernd - oder eben sinnlos - sprich lernhindernd beeinflussen.

 

Sinnlos ist ein Randori dann, wenn unser Gehirn keine Techniken mehr abrufen kann, weil es mit Neurotransmittern geflutet wird, die jede koordinierte Bewegung ins Leere laufen lassen. Das Randori wird zu einem Gewurstel und die Bewegungsqualität gleicht jener, als wir das erste Mal Brazilian Jiu Jitsu auf der Matte probierten. Warum das so ist, hat mit sogenannten Bewegungs-Engrammen im Gehirn zu tun. Dazu wird in meinem Buch mehr zu lesen sein.

 

An dieser Stelle soll eine stark vereinfachte Erklärung gegeben werden: Wann werden Bewegungen unkoordiniert? Wann fällt einem plötzlich nichts, aber auch gar nichts mehr im Randori ein? Die simple Antwort: Bei Stress.

 

Physiologisch gesehen diffundieren Adrenalin, Noradrenalin etc. immer dann im erhöhten Mass im Gehirn, wenn irgend eine Form von Stress auftaucht. Genau diese Neurotransmitter jedoch stören jede koordinierte Aktion. Darum ist es so wichtig, Stress im Randori zu vermeiden.

 

Stress wiederum kann aus zwei Gründen die koordinative Leitung beeinflussen: 1. Physischer Stress. 2. Psychischer Stress. 

 

Physischer Stress zeigt sich im Randori dann, wenn die körperliche Belastung zu hoch ist. Die Pulsfrequenz ist zu hoch, die Sauerstoffschuld manifestiert sich zu schnell etc. Vereinfacht gesagt: Die Intensität des Randori ist zu hoch gewählt. In einer solchen Situation lernt das Gehirn nichts mehr. Der Lerneffekt nähert sich Null. Schlimmer noch: Alte, unerwünschte Bewegungsmuster werden durch diese Art des Randori verstärkt. Grund dafür sind evolutionäre Programmierungen, die wir alle in uns tragen. Habt ihr schon mal beobachtet, in welche Bewegungsmuster jemand verfällt, der beim Randori völlig am Limit läuft? In der bottom-Position "flattern" die Ellenbogen wie Flügelchen weit vom Rumpf weg und die Arme stossen von unten, was die Kraft halt noch hergeben mag etc. In solchen physischen Überlastungssituation regredieren die allermeisten auf alte Bewegungsmuster zurück. Dieser Effekt schwächt sich mit jahrelangem Training zwar ab, ganz ausmerzen lässt er sich nur schwer.

 

Um es mit aller Deutlichkeit zu sagen: Wer beim Randori stets mit mehr als 50% seiner physischen Möglichkeiten ins Rennen steigt, bleibt technisch stehen. Zudem zwingt er oftmals seinem Partner diese Art des Full-Power-Randoris auf, sodass auch sein Partner weniger lernt. Auf technischer Ebene verlieren dann beide.

 

Damit soll nicht gesagt werden, dass ein 100% Randori ohne Wert sei. Als Cardio-Training ist es sehr gut. Aber nur dazu taugt es. Unser Gehirn lernt dabei jedenfalls keine technischen Finessen. Es lernt nichts, ausser physiologische Stressbewältigung. 

 

Psychischer Stress hat auf die Lernqualität ähnlich negative Effekte wie physischer Stress. Die Gründe für psychischer Stress beim Randori können sehr vielfältiger Art sein und entziehen sich letztlich einer umfassenden Betrachtung. An dieser Stelle sei nur ein Faktor genannt: Der Stress zu verlieren.

 

Hierzu ein kleine Geschichte: Eines Tages stand bei uns ein MMA Kämpfer auf der Matte. Er trug einen blauen Gurt im BJJ, den er in einer anderen Schule erworben hatte. Seine technische Variabilität war eher im unteren Mittelfeld, jedoch war er mit einem herausragenden Bewegungstalent gesegnet. Er bewegte sich intuitiv hervorragend - ein Ausnahmetalent. Beim Randori war er zu Beginn immer sehr locker und beweglich. Kam er jedoch unter Druck, wurde sein Stress, nicht verlieren zu können förmlich sichtbar. Dann kämpfte er bis zum letzen Quäntchen Energie, das er noch hatte. Meist beschied ihm dies Erfolg. Stolz raunte er mir einmal in der Umkleidekabine zu: "Super, Tagesziel erfüllt, ich konnte alle tappen." Sofort wurde mir klar: Der gute Mann hat extremen Stress im Randori, weil er Angst hat zu verlieren. Tappen war für ihn zugleich ein extremer Gesichtsverlust. Mit dieser Einstellung jedoch konnte und wollte ich ihn nicht weiter auf die übrigen Schüler "loslassen". Die Verletzungsgefahr für sich und andere war zu gross und der Lerneffekt im Randori minim. Und es war schade um sein Talent.

 

So beschloss ich, ihm etwas zu Hilfe zu kommen. Beim nächsten Training zwinkerte ich einem sehr kräftigen Schüler zu, der um die Problematik wusste. Dieser verstand und hob im Randori mit dem Talent den Druck konstant an. Was dann geschah, war erstaunlich: Verlieren, aufgeben, freundschaftlich Abklopfen - all dies war offensichtlich kein Teil der Gedankenwelt dieses talentierten Mannes. Er kämpfte bis zur völligen Erschöpfung. Gegen Ende des Randoris war allerdings nur mehr wenig von seinem Bewegungstalent sichtbar. Es ging im Stress unter. Mein Schüler brach aus Rücksicht das Randori dann selber ab. Der talentierte Mann war nahe an einem Kreislaufkollaps und musste sich hinlegen. Er kam nie wieder. 

 

Dieser Fall mag ein Extrembeispiel sein. Aber er illustriert, wie psychischer Stress - und sei es "nur" der Stress, nicht verlieren zu können - letztlich dazu führen kann, dass eine Weiterentwicklung verunmöglicht wird. Wer nicht verlieren kann, wird nie locker rollen. Wer nicht locker rollt, wird wenig lernen. Wer wenig lernt, wird technisch stagnieren. Wer technisch stagniert lernt spätestens dann zu verlieren. 

 

Nachfolgend sei ein Video angehängt, welches sehr schön ego-freies Rollen zeigt. Positionen werden nicht um jeden Preis gehalten. Locker und agil bleiben die Beiden. Nun ja, es sind ja auch die Weltbesten....

Keep it simpel! Go for your BJJ-Roadmap.

Kaum eine Sportart kann es in Sachen Komplexität mit Grappling bzw. Brazilian Jiu Jitsu aufnehmen. Bei den meisten Sportarten bewegt sich der Mensch in einem physikalisch stabilen Umfeld. Der Sprinter rennt auf der Tartanbahn, der Skirennfahrer gleitet auf Schnee. Ganz anders sieht es im BJJ aus. Hier bewegen sich zwei nicht stabile physikalische Körper in einem dreidimensionalen Raum. Die Anzahl an möglichen physikalischen Relationen dieser beiden Körper ist unendlich gross. Das Ganze erinnert in seiner Komplexität dem Wettergeschehen. Auch hier sind Prognosen des nächsten physikalischen Zustandes nur für eine sehr begrenzte Zeit möglich. Ebenso verhält es sich im Randori. Die Reaktionen des Gegner sind kaum vorhersehbar und in deren Variabilität unendlich komplex. Vor diesem Hintergrund fragt sich, welches die adäquate Strategie für jeden einzelnen sein kann.

 

Um es vorweg zu nehmen: die einzige sinnvolle Möglichkeit besteht darin, Komplexität im BJJ zu reduzieren. Damit ist zugleich gesagt, dass es sinnlos ist, sich jede mögliche technische Variante merken zu wollen. Ein Sprichwort aus der Zentradition sagt dazu: "Rennst du vielen Hasen nach, fängst du keinen."

 

Der Königsweg besteht darin, sich zu beschränken. Aber nicht wahllos. Im Gegenteil: jeder muss für sich eine sinnvolle Auswahl an Techniken treffen. Ein Beispiel mag dies verdeutlichen: Um die Guard zu öffnen gibt es - sagen wir mal - 20 Möglichkeiten. Mit einer individuellen Analyse werden in einem ersten Schritt alle Varianten verworfen, die aufgrund der Physionomie und weiterer leistungbestimmenden Faktoren unpassend sind. Zu berücksichtigen wären beispielsweise das Kraftniveau und die Beweglichkeit. Es bleiben damit vielleicht noch 8 Varianten. Aber auch diese Anzahl ist noch hoch. Wer mit 8 Varianten als Strategie allein bei der Guardöffnung in ein Randori steigt, wird wenig Erfolg haben. Die Komplexität ist zu hoch. Ein Anzeichen, dass die Strategie falliert, ist das Gefühl ein "black out" im Randori zu haben. Black outs sind Zeichen neuronaler Überforderung. Der Grund liegt in der überfordenden Komplexität. Wir müssen sie reduzieren.

 

Als Zielgrösse sollten jeweils zwei Varianten gewählt werden. Um beim Beispiel der Guardöffnung zu bleiben: Eher klein gewachsene Kämpfer wählen sinnvollerweise zwei Varianten, bei der sie aufstehen.

 

Die Analyse der eigenen sinnvollen Möglichkeiten ist anspruchsvoll und für wenig erfahrene Kämpfer kaum alleine zu bewerkstelligen. Ein aufmerksamer Coach kann jedoch wichtige Hinweise geben. Am Ende des Prozesses steht eine personalisierte "BJJ-Roadmap". Sie ist kein statisches Gebilde, sondern unterliegt der zeitlichen Wandelbarkeit. 

 

Bei der Erstellung einer personalisierten BJJ-Roadmap sollte man sich stets vor Augen haben: weniger ist mehr! Keinesfalls darf man der Versuchung unterliegen, im Zuge einer dominanten Position 10 verschiedene Submissions anhängen zu wollen. "Seinsei Youtube" verleitet leider oftmals dazu, auch noch die neueste, "abgefahrene" Submission in die eigene BJJ-Roadmap aufnehmen zu wollen. Das Resultat solchen Vorgehens ist ein Chaos im Kopf und "black outs" im Randori. 

 

Spitzenkämpfer wissen um diese Zusammenhänge. Sie haben gelernt, sich zu beschränken. Der eine steuert Triangels an, ein anderer jagt nach Kimuras und ein Dritter spezialisiert sich auf Würger. Keiner ist Leglocker und Top-Würger zugleich. 

 

Eine valide BJJ-Roadmap ist von unschätzbarem Wert für jeden einzelnen. Sie zwingt zur Ehrlichkeit sich selber gegenüber. Wer im Vergleich zu anderen eher kurze Beine hat und unbeweglich ist, kann noch so sehr Triangels wollen. Sie gehören nicht in seine Roadmap. Wer eher leicht und beweglich ist, sollte seine Roadmap mit Submissions aus der bottom Position bestücken etc. Wunschdenken ist bei der eignen Analyse Fehl am Platz. Ehrlichkeit sich selber gegenüber zählt.

 

Tipps zur Erstellung der eigenen BJJ- Roadmap:

1. Weniger ist mehr!

2. Pro Transition 2 Varianten.

3. Pro Position 2-3 Submissions.

4. Pro Position nur eine Variante. (Mount, welche Mount? Sidemount, welche Sidemount etc.).

5. Stetige Bereitschaft zur Überarbeitung. Die Roadmap ist stets nur eine Arbeitshypothese. Sie unterliegt der jederzeitigen Falsifikation. 

6. Wählt im Zweifelsfall stets die technisch einfachere und direktere Variante.

7. Fragt euren Coach. Er kann wichtige Hinweise geben und helfen, Irrwege zu vermeiden.

 

Nachfolgend sei ein Beispiel einer Roadmap gepostet. Sie ist selbstverständlich nicht vollständig und - dem Gesagten folgend- nur für den Ersteller brauchbar.

 

Das Beste nun zum Schluss: die eigene BJJ-Roadmap erlaubt ein virtuelles Lernen ausserhalb des Dojos, zu Hause, im Zug, im Wartesaal (vgl. zu den neuronalen Prozessen beim virtuellen BJJ Training den früheren Artikel unten "Keine Zeit fürs BJJ-Training. Was nun?"). Das virtuelle Training mir der eigenen Roadmap aktiviert genau jene neuronalen Verbindungen im Gehirn, welche für das Erlernen der Abfolgen notwendig sind. 

 

Go for your BJJ-Roadmap!

 

 

Jiu Jitsu aus Japan 1912 (aus Maedas Region)

Atmung

Einige hochtrainierte Sportler aus ganz verschiedenen Sportarten standen in den vergangenen Jahren schon bei uns auf der Matte. Taekwendo Kämpfer aus dem Nationalkader, Fussballer, Kletterer, Marathonläufer. Für jeden dieser sehr gut trainierten Sportler kam das erste Probetraining im Brazilian Jiu Jitsu. Und für jeden kam beim ersten Randori das Waterloo. Egal wie hochtrainiert sie waren - und einige waren konditionell nach Standardmasstäben turmhoch überlegen - und doch gingen gingen sie alle im ersten Randori unter. Zwei Gründe können für diese erste Erfahrung angeführt werden. 

 

1. Der Bodenkampf generiert ganz spezifische Belastungsmuster, welche kaum vergleichbar mit anderen physiologischen Belastungen sind. Eine blendende allgemeine Kondition hilft erwiesener massen sehr, genügt für sich alleine aber nicht. Ohne in die physiologischen Details zu gehen, können wir dieses Faktum einfach mal als gegeben voraussetzen. Diese Tatsache alleine vermag aber noch nicht den dramatischen Leistungsabfall im Randori während den ersten rund vier Minuten zu erklären. Es kommt ein Zweites dazu.

 

2. Zweikampf - auch freundschaftlich betrieben - ist für unser Gehirn eine extreme Stresssituation. Hierbei spielen evolutionäre, hirnphysiologische Programmierungen eine entscheidende Rolle. Wer am Boden in einem spielerischen Kampf unter Druck gerät, wird automatisierte Körperreaktionen abrufen. Unsere Vorfahren vor rund 200'000 Jahren überlebten in solchen Situationen nur dank dieser einprogrammierten Mechanismen. Nun sind wir - genetisch betrachtet - keine anderen Wesen als unsere Vorfahren. Unser Gehirn reagiert auf solche Situationen immer noch genau gleich. Es wird unweigerlich mit zahlreichen Stresshormonen geflutet. Die Effekte sind zahlreich: Blut wird in die Muskulatur gepumpt, der Muskeltonus wird erhöht, ebenso die Herzfrequenz. Phasenweise setzt Pressatmung ein und Bewegungskoordination erleidet einen erheblichen Qulalitätseinbruch. All diese körperlichen Reaktionen laufen unbewusst ab. Das Resultat ist, dass nach wenigen Minuten die Sauerstoffschuld dramatisch zunimmt. Nur durch länger dauerndes Training können diese Mechanismen abgefedert werden. Ganz verhindern lassen sie sich nicht. Nun wird klar: Ein Neuling, sei er noch so gut trainiert, ist diesen Automatismen hilflos ausgeliefert. Er brennt nach wenigen Minuten aus. Eine der möglichen Lösungen heisst: Richtige Atmung. Der Lernprozess der notwendigen Entspannung beim Randori kann erheblich beschleunigt werden, wenn man sich beim Randori schon zu einem frühen Zeitpunkt besonders der Atmung widmet. Je älter der Trainierende ist, umso wichtiger wird diese Entspannungsfähigkeit. Folgende Übungen haben sich beim Randori als wirkungsvoll erwiesen:

 

1. Sich bewusst vor dem Randori vornehmen, nicht auf die Techniken zu achten, sondern nur auf die Atmung. Klar muss man dann mehr "tappen". Aber: So what? Man gewinnt dadurch hundert Mal mehr als wenn die Atmung jahrelang vernachlässigt wird.

2. Konsequent nur durch die Nase atmen. Diese Atmung begünstigt die sog. Bauchatmung. Sie ist das A und O der richtigen Atmung. Brustatmung triggert die am Halsansatz sitzenden Panikrezeptoren. Im Internet gibts gute Anleitungen zur Bauchatmung (zB. von Paulo Guillobel). 

3. Alle 10 Sekunden im Randori die Aufmerksamkeit wieder auf die Atmung lenken. Diese Übung ist sehr schwierig, aber probiert es aus. Es lohnt sich. Ihr werdet mehr "tappen" müssen, aber wie gesagt...so what?

4. Im Randori konsequent durch die Nase einatmen und mit einem Zischgeräusch ausatmen. Durch das Zischgeräusch erhält man eine Art akustische Kontrolle über die Atmung: Atme ich noch oder unterliege ich Atempausen? Atmenpausen sind sehr verbreitet und können je nach Sportbiografie des Einzelnen sehr ausgeprägt sein und jahrelang unbemerkt bleiben! Besonders Trainierende, die aus Kraftsportarten kommen, sind anfällig auf Pressatmung. 

5. Sagt eurem Randori Partner, er solle auf eure Atmung achten.

 

Das sind einige Übungen zum Thema Atmung. Die Atmung ist das Benzin. Alle anderen physiologischen Leistungsparameter brechen ein, wenn falsche Atmung zu einer Sauerstoffschuld führt. Kraft, Beweglichkeit, Kondition, Koordination, Technik, Taktik - all dies sind leistungsbestimmende Faktoren. Ein Leistungsabfall bei einem dieser Faktoren führt jedoch nicht zu einem allgemeinen Einbruch der gesamten Leistungsfähigkeit. Falsche Atmung und Sauerstoffschuld jedoch führen zum Waterloo....

 

Aus welchen Stilrichtungen kommen die Top 100 MMA Kämpfer (alle Gewichtsklassen)?

Hier die Antwort:

Platz 1: Grappling (57)

Platz 2: Muay Thay

Platz 3: BJJ (14)

 


Grappling = BJJ + Wrestling + Hayastan + ....

Im nachfolgenden Video sind Josh Barnett vs Dean Lister in einer Kampfanalyse zu sehen. Interessant ist, wie ganz unterschiedliche Stile und Strategien aufeinander treffen. Unterschiedliche Positionsarbeit, unterschiedliche Haltegriffe, unterschiedliche Gewichtsverteilung etc. Man beachte beispielsweise die vorbildliche Gewichtsverteilung von Josh Barnett.

 

Durch solche Vergleichskämpfe entwickelt sich das Grappling weiter. Keine Stilrichtung kann für sich in Anspruch nehmen, sie sei die alleinig richtige. Die Kombination aus allem macht es aus. Je nach Körperbau kommen gewisse Positionen in Frage und andere eben nicht. Die Kunst ist letztlich, jene Techniken und Positionen für sich selber zu finden, die für den eigenen Körper passen. Ein aufmerksamer Coach kann hier wertvolle Tips geben, sodass sich Schüler nicht in einer Sackgasse verrennen.

Randori vom Feinsten...

Garry Tonon vs Keenan Cornelius. Hier treffen sich wohl die zwei Besten der Welt ihrer Gewichtsklasse zu einem privaten Match. Ein Randori wie aus dem Lehrbuch. Keine Kraftmeierei, kein Durchwürgen einer Submission, sondern subtile Technik. Bereits nach wenigen Minuten kann Keenan einen Toehold ansetzen, zieht diesen aber nicht mit aller Gewalt durch, sondern gibt ihn zu Gunsten weiterer, technisch brillanter Versuche auf. Garry Tonon darf als Grappling Phänomen bezeichnet werden. Obwohl noch sehr jung, zeigt er eine erstaunliche Variabilität seiner Techniken. Keenan Cornelius, der Grössere der beiden, ist berüchtigt für seine Guard. Sie gilt als praktisch nicht passierbar. Beide haben einen BJJ Background.

Drills.....und nur Drills?

Hier mal wieder ein Auszug aus dem Trainingshandbuch, das am Entstehen ist....Diesmal zum Thema Drills.

 

Wer schon mal Randori gemacht hat, kennt die Situation. In der Hitze des Gefechtes blitzt ein Gedanke durchs Gehirn: „Da war doch so ein cooler Würger….wie ging der doch…?“ Im Randori kann dann aber die Technik nicht abgerufen werden. Genauer: unser Gehirn kann die Lösung im Stress nicht mehr abrufen. Nun gibt es für dieses Problem zwei ganz unterschiedliche Lösungen.

 

Lösung 1 Drills

 

Drills beinhalten das Wiederholen einer einzelnen Technik über unzählige Male. Nehmen wir das Beispiel eines Sweeps (reversal) aus der Guard. Der Lehrer zeigt einen Sissor-Sweep Schritt für Schritt. Der Schüler merkt sich: Hand zuerst in Position 1, dann Arm in Position 2, dann Bein in Position 3, dann anderes Beinn in Position 4, dann Gegner heranziehen als Position 5, dann simultane Scherbewegung mit beiden Beinen als Schritt 6. Rund 6 Schritte in der richtigen Reihenfolge hat das Gehirn sich zu merken. Und dies für eine einzelne Technik. Nun weiss man aus hirnphysiologischen Untersuchungen, dass unser Gehirn durch Wiederholungen lernt indem es mit sog. neuronalen Bahnungen im Gehirn reagiert. Vereinfacht kann man sich dies als Autobahnen vorstellen. Je öfters eine Bewegung geübt wurde, ums breiter die Autobahn und umso schneller können wird das geforderte Bewegungsmuster abrufen. Es macht daher durchaus Sinn, dass in vielen Sportarten mit Drills gearbeitet wird, so z.B. im Golf, Billard, Darts, Basketball etc. 

 

Man schätzt, dass ca. 3000 - 10’000 Wiederholungen notwendig sind, damit sich ein Bewegungsmuster dauerhaft im Gehirn verankert. D.h. es bildet sich ein Engramm, welches auch unter Stress abgerufen werden kann. Und dies ist letztlich für einen Wettkämpfer entscheidend. Im Unterschied zu den erwähnten Sportarten, in denen Drills durchaus sinnvoll sein können, bewegen sich jedoch im Brazilian Jiu Jitsu zwei nicht feste Körper im dreidimensionalen Raum. Daraus ergeben sich hochkomplexe und nicht vorhersehbare Bewegungsmuster. Verwirrender könnte es für unser Gehirn gar nicht sein. Selbst wenn wir den Sissor Sweep 10’000x wiederholt haben, wird die Situation im Randori nie genau so optimal sein, wie dies im Drill geübt wurde. Und wenn die Situation nicht exakt so ist, wie sie isoliert 10’000x geübt wurde, kann unser Gehirn das Gelernte (das Engramm) nicht zuverlässig abrufen. Das ist der Grund, warum wir im Randori oftmals das Gefühl eines Black outs haben. 

 

Wenn wir nun etwas rechnen, wird die ganze Sache noch komplizierter: Für den Sissor Sweep sind 6 Einzelschritte notwendig. Diese müssen rund 10’000x vollzogen werden, damit sie unter Stress abgerufen werden können. Der Sissor Sweep schlägt also mit rund 60’000 Einzelschritten zu Buche. Nun multiplizieren wir weiter: Nehmen wir der Einfachheit halber an, Brazilian Jiu Jitsu bestünde aus 1000 Techniken. In Wahrheit sind es mit allen Varianten viel mehr. Wenn jede Einzeltechnik durschnittlich 6 Einzelschritte verlangt, ergibt sich daraus eine Gesamtmenge an 60 Mio. Einzelschritten. Selbst wenn ein Mensch jeden Tag drei Mal trainieren würde, käme er wohl zeitlich an seine Grenzen. 

 

Der entscheidende Nachteil dieser Lernmethode ist jedoch, dass selbst bei tausendfacher Wiederholung genau nur ein mögliches Szenario geübt wird. Der Sissor Sweep aus der Guard beispielsweise wird immer gleich geübt. Aber im Wettkampf wird es genau dieses eine Szenario gar nicht geben, weil der Gegner sich ständig bewegt. Selbst Drilling vermag daher das Problem der ständigen neuronalen Überfoderung nicht zu lösen. Auch nach 10’000 Wiederholungen wird der Sissorsweep im Randori eine herausfordernde Angelenheit.

 

Das ist der Grund, warum Brazilian Jiu Jitsu Topathleten in jüngster Zeit nach effizienteren Wegen des Lernens suchen. Zur Erinnerung: Das Lernen durch Drilling - also das Wiederholen durch hohe Anzahl - ist eine mögliche Form des Lernens für unser Gehirn. Sie ist bei einer ganz neuartigen Technik sicherlich der erste Schritt, um die Technik kennen zu lernen. Keinesfalls aber sollte man bei diesem Schritt stehen bleiben. Denn hier kommt die gute Nachricht: unser Gehirn lernt noch viel Effizienter durch Einsicht. Damit kommen wir zur Lösung 2.

 

Lösung 2. Entdecke die Formel!

 

Zurück zum Sissor Sweep. Was zeichnet diesen Sweep eigentlich aus? Warum funktioniert er? Könnte es sein, dass alle Sweeps aufgrund der gleichen Prinzipien funktionieren? Wenn ja, dann hätten wir eine universale Forme für Sweeps. Wir müssten nur diese Formel lernen und hätten alle Sweeps „verstanden.“ Und was wir wirklich verstanden haben, vergessen wir nie mehr. Analysieren wir also den Sissor Sweep.

 

Dazu müssen wir zuerst den menschlichen Körper kurz analysieren. Sweeps werden aus der bottom position angewendet (Jene aus dem Stand lassen wir ausser acht. Sie folgen aber den genau gleichen Prinzipien). Der Körper, der gedreht werden soll, ist also über uns. Einen menschen Körper über uns können wir uns im Kampf der Einfachheit halber wie einen Tisch vorstellen.  

 

 

Jede Gliedmasse deckt am Boden einen imaginären Quadranten ab. Wir haben also vier Quadrate am Boden. Zwei bei den Beinen, zwei bei den Händen. Immer dort, wo ich im Kampf eine Gliedmasse blockiere, kann der Körper hinbewegt werden, weil der der Quadrant „frei“ ist. Der Gegner kann sich dort ja nicht mehr abstützen. Eine Gliedmasse des Gegners wiederum blockiere ich von unten (Guard) entweder mit einem Haltegriff am Arm oder Bein (grip) oder mit einem Bein. 

 

Will ich also den Gegner drehen (sweepen) muss ich zuerst eine Gliedmasse blockieren, damit der Quadrant frei wird. Das ist Schritt 1.

 

Der zweite Schritt besteht beim Sissor Sweep darin, dass der Gegner - je nach Variante - auf das eigene Knie „aufgeladen wird“. Sieht man aber vom konkreten Sissor Sweep ab, und hält sich irgend einen anderen Sweep vor Augen, wird der zweite Schritt in seiner allgemein gültigen Form ersichtlich. Das „Aufladen“ beim Sissor Sweep, wie bei vielen anderen, hat den Zweck, den Körperschwerpunkt beider Körper anzunähern. Nur wenn die Körperschwerpunkte möglichst nahe sind, lässt sich ein Körper auch drehen. Sind sie zu weit weg, gelingt ein Sweep nicht oder nur mit grossem Kraftaufwand.

 

Jeder hat das schon erlebt, wenn er einen schwereren Gegner zu drehen versuchte, der zu weit weg war. Halten wir fest: Schritt 2 besteht darin, die Körperschwerpunkte anzunähnern. Oftmals ist es sinnvoll, den eigenen Körperschwerpunkt hin zum Gegner zu bewegen, statt den Gegner zu eigenen Körperschwerpunkt hinzuziehen. Man spart so Kraft.

 

Beim Sissor Sweep besteht der dritte Schritt darin, dass die Beine eine Scherbewegung vollziehen. Betrachten wir auch diese Bewegung in allgemeiner Form, wird erkennbar, was Schritt 3 bei einem Sweep immer der gleiche ist: es braucht einen Hebelarm. Das kann ein Bein, kann aber auch ein Arm sein (Bsp. halfguard). 

 

Indem wir uns geistig von einem einzelnen Sweep distanzieren und versuchen die Grundprinzipien hinter ähnlichen Techniken herauszuschälen wird eine universale Formel erkennbar. Alle (fast alle) Sweeps beruhen auf der Formel:

 

Schritt 1 Eine Gliedmasse blockieren (ein Quadrant wird frei)

Schritt 2 Körperschwerpunkte annähern.

Schritt 3 Hebel suchen.

 

Diese simple Formel ist wesentlich einfacher zu lernen, als tausendfache Wiederholungen einzelner Schritt zu vollziehen. Diese Formel bleibt im Gedächtnis auch sehr gut verhaftet, weil sie auf einem Verstehen der Mechanik bei Sweeps beruht. Was wir verstehen, das behalten wir viel besser, als was wir einfach auswendig lernen. Das Beste aber ist: unser Gehirn lernt nicht irgend eine Standardsituation, die im Wettkampf sowieso nie genau so vorkommen wird. Das Gehirn lernt drei einfach zu merkende Prinzipien. Es lernt die universale Formel für Sweeps. Es hat damit jeden Sweep verstanden. 

 

Das Spannenste ist allerdings, dass die Schüler nun beginnen, Sweeps zu erkennen und auszuprobieren, die ihnen gar nie gezeigt wurden. Es ist keine Standardsituation mehr notwenig. An unserer Akademie erkläre ich jeweils die Formel der Sweeps und fordere die Schüler auf, im lockeren Randori Sweeps auszuprobieren. Es ist faszinierend zu sehen, wie plötzlich Techniken „erfunden“ werden, die sie noch gar nie gesehen haben.

 

Nicht zu vernachlässigen ist auch der Spassfaktor! Das Training wird sehr spielerisch und kreativ, weil sich die Schüler von den engen Vorgaben einer einzelnen Technik lösen können.

 

Es gibt viele solche Formeln und sie sind nicht immer einfach zu finden. Das Aha-Erlebnis ist jedoch sehr befriedigend und gibt dem Lernenden einen enormen Entwicklungsschub. 

 

Neuere Forschungen zeigen, dass mit dieser Lernmethode ein sehr effizientes und variables Lernen erfolgt. Die Black outs im Wettkampf nehmen ab. Es lohnt sich daher, sich auf die Suche nach solchen Formeln zu machen. Es gibt sie für den Guardpass, Wristlocks, Leglocks etc. Vermutlich gibt es sie für die allermeisten Kampfsituationen.

 

Keep it playfull.....

Jeff Glover ist im BJJ eine Ausnahmeerscheinung. Kraft- und Konditionstraining macht er nicht, aber viele Übungen für das Körpergefühl und Gleichgewicht. Nur wenige BJJ Wettkämpfer erreichen seine Variabilität und Geschicklichkeit. Jeff's Motto ist: Keep it playfull. Seine spassige und freudvolle Art zu Kämpfen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass er blitzschnell wie eine Klapperschlange zuschlagen kann. Sein Gegner, Geo Martinez, ist ein Schüler von Edi Bravo. Geo gilt als Ausnahmetalent. Auch er hat keine Muskelberge, dafür aber ein sensationelles Raumgefühl. Er ist brake-dancer.....kein Wunder also bewegt er sich extrem geschmeidig. Ach ja, was ich noch vergass: Er bekam seinen Black Belt von Edi Bravo in nur 3 1/2 Jahren und mischt seither den internationalen Wettkampfzirkus auf. 

Wie mit der Komplexität des BJJ umgehen?

Auch wer schon viele Jahre auf dem Weg des Brazilian Jiu Jitsu ist, stellt immer wieder fest mit Ernüchterung fest, wie komplex BJJ ist. Physikalisch gesehen verwundert das eigentlich wenig, bewegen sich doch zwei relativ amorphe physikalische Körper im dreidimensionalen Raum. Hunderte von Techniken stehen zur Verfügung und fast ebenso viele Strategien. Als ich als Weissgurt versuchte, mir alles zu merken, war die Verzweiflung stets eine treue Begleiterin. Ein britischer Black Belt sagte mir dann einmal, er würde nur noch ca. 5 Submissions anwenden. Ich dachte mir, seine Aussage sei etwas eigenartig und das müsse wohl am Whisky liegen. Mit den Jahren erkannte ich, ich lag falsch, er lag richtig.

 

Natürlich hatte er etwas übertrieben, aber im Kern hatte er recht. Es macht schlicht keinen Sinn, alle Techniken ins eigene Repertoir aufnehmen zu wollen. Mit der Zeit wird jeder BJJ Lernende eine Auswahl treffen müssen. 

 

Kraft, Alter, Morphologie, Sportbiografie, Verletzungen, Trainingshäufigkeit sind nur einige Parameter, die dabei zu berücksichtigen sind. Als Auswahlmaxime sinnvoll ist der Leitsatz: Weniger ist mehr. Oder wie es im Englischen heisst: keep it simpel.

Viele erfolgreiche Kämpfer scheinen diesen Leitsatz für ihr eigenes Lernen im BJJ verinnerlicht zu haben. Eddie Cummings, Dean Lister, Rosimar Palhares (heelhooks), Rickson Gracie, Marcelo Garcia, Kron Gracie (Guillotine), Kazuki Sakuraba (Kimura) etc. 

 

Jeder sollte sich regelmässig fragen: Soll ich diese oder jene Technik wirklich in mein Repertoir aufnehmen? Passt sie zu meinem Körperbau, meiner Kondition? Hilfreich ist bei dieser Analyse ein zweiter Merksatz: Mut zur Lücke!

Man kann nicht alles können und sollte nicht alles wollen. Die Gefahr ist sonst gross, dass BJJ Trainierende in der Komplexitätsfalle enden und frustriert das Handtuch werfen.


Keine Zeit fürs BJJ Training? Was nun?

Keine Zeit fürs Training? Und doch möchte man im BJJ weiterkommen? Zugegeben: Brazilian Jiu Jitsu ist komplex, es gibt sicherlich einfacher zu erlernende Kampfsportarten. Wenn es aber um das Thema der Selbstverteidigung und der effizienten Strategie in einer realen Angriffssituation geht, führt kein Weg an Brazilian Jiu Jitsu vorbei. Trotzdem: einfach zu erlernen ist BJJ eben nicht. Was nun?

 

Aus der modernen Hirnforschung gibt es gute Neuigkeiten! Virtuelles Training. Oftmals ergeben sich im Alltag gewisse unproduktive Zeiten: Das Warten am Bahnhof, Autofahren etc. Diese Zeiten lassen sich perfekt nutzen, um unserem Gehirn Aufgaben zu stellen, welche es auch auf der Matte zu lösen hätte. Der springende Punkt dabei: Für das Gehirn macht es nur einen geringen Unterschied, ob wir einen Guardpass tatsächlich auf der Matte vollziehen oder uns diesen nur vorstellen. Ob virtuell oder real vollzogen, der Effekt in unserem Gehirn ist der gleiche: Es lernt die Bewegung!

 

Man spricht in neurobiologischer Hinsicht hierbei von sog. neuronalen Bahnungen. Alle Lernprozesse hinterlassen im Gehirn Spuren. Diese Spuren finden sich in der Form verdickter Neuronen. Wenn wir also beispielsweise Vokabeln einer Fremdsprache büffeln, entstehen im Gehirn Bahnungen bis wir die Vokabeln können. Man kann sich diese Prozesse im Gehirn wie den Bau einer Autobahn vorstellen. Einmal erstellt, fährt darauf die benötigte Information viel schneller als auf einer kaum benutzten Waldstrasse.

 

Wer sich an der Bushaltestelle die Zeit nimmt und im Geiste einen Guardpass, einen Leglock etc. vorstellt und durchspielt, arbeitet an seinen Bahnungen im Gehirn. Das Gehirn lernt die Techniken, ohne dass wir sie auf der Matte 1:1 ausführen müssen. Das Phänomen des virtuellen Trainings ist im modernen Wettkampfwesen längst bekannt. Kein weltklasse Basketballer kommt ohne virtuelles Training aus. Und kein Bobfahrer fährt Bestzeiten, ohne dass er hundertfach die Strecke im Geiste gefahren ist.

 

Für das Grapplingtraining ausserhalb der Matte kann virtuelles Training eine sinnvolle Ergänzung sein.


Flow charts for Brazilian Jiu Jitsu Training

Flow charts are a great way to visualize technical sequences in Brazilian Jiu Jitsu. Wether done by freehand or computer does not matter. The important thing is, that you draw the flow charts yourself. It makes no sense copying someones other diagram.

 

You may build your flow diagram around the basic positions e.g. mount, guard, sidemount or around basic submissions e.g. Kimura, Armbar, Leglock etc. 

 

Another very good way is to visualize submission chains as there are many such chains in Brazilian Jiu Jitsu. If one submission fails then very often another submission lays on the way. E.g. if you opt in the closed guard for a Kimura, then either a sweep ore the Guillotine lays on the way.

 

Flow charts are also perfect to keep in mind the priorities in Brazilian Jiu Jitsu. if you are caught in a closed guard your first priority should be to gain a proper posture. Nothing else matters than this. Only then comes the guard opening. The third step will be your decision conserning guardpass or legattack etc. 

 

So try to build your own flow charts. I am persuaded it will boost your game on the mat.

 

Below you see an old flow diagramm from Rickson Gracie. 


Neues Buch zum Submission Grappling....

Wie lässt sich eine hochkomplexe Sportart wie Submission Grappling zielführend trainieren? Genügen die klassischen Formen wie Krafttraining, Cercuit-Cardio-Training, technische Drills etc.? Die moderne Hirnforschung hat hierfür eine klare Antwort: Nein!

 

Welche grundlegenden Kampfprinzipien sind zu beachten? Gibt es das sog. "invisible jiu jitsu" überhaupt? Die Antwort lautet: Ja!

 

Mit diesen beiden Fragen befasst sich ein neues Buch zum Submission Grappling, welches zur Zeit am Entstehen ist.  Auszugsweise stellen wir hier jeweils einige Passagen ins Netz.

 

Hier ein erster, kurzer Auszug:

 

 

"Der Zweikampf ist zwar von aussen gesehen ein Kampf zwischen zwei Körpern, aber noch viel mehr ist er ein Kampf zwischen zwei Gehirnen. Das Gehirn ist unser wichtigster „Muskel“, wie ein bekannter Extremkletterer einmal sagte. Dies gilt im besondere Masse auch für den Zweikampf. Kampfsportarten, welche nicht ausschliesslich Treten und Schlagen in ihrem technischen Arsenal haben, stellen an unser Gehirn als oberstes Steuerungsorgan sehr hohe Anforderungen, wenn es um präzise und koordinierte Bewegungen geht. Die moderne Trainingslehre entwickelte sich in vielen Sportarten zu einer disziplinspezifischen Wissenschaft. Sie hat dabei sehr von den Erkenntnissen der neurobiologischen Forschung profitiert. In den Kampfsportdisziplinen scheint diesbezüglich jedoch ein gewisser Nachholbedarf zu bestehen. Zu sehr liegt der Fokus der kampfsportspezifischen Trainingsgestaltung immer noch auf den klassischen Bereichen der Technik, Kraft und Kondition. Die neurobiologische Forschung hält indes spannende Ergebnisse für ein effizientes Grappling Training bereit. Submission Grappling stellt sehr hohe Anforderungen an Taktik, räumliche Koordination und Bewegungsqualität. All dies verlangt nach spezifischen Trainingsformen."


Flexibility pays.....


no gi, no points

Commando 11 ist überzeugt, die Zukunft gehört dem No Gi. No Gi Wettkämpfe sind dynamischer und schneller als Wettkämpfe mit Gi. Zudem entfällt das für Zuschauer langweilige Ärmelgezerre, wie es bei Gi Wettkämpfen häufig ist.

Gi Wettkämpfe arten oftmals in langweilige Positionskämpfe aus. Für Zuschauer sind solche Wettkämpfe viel weniger attraktiv als No Gi Turniere.

 

Aus ökonomischen Gründen werden die No Gi Turniere daher auch für Veranstalter, Sponsoren und die Werbebranche attraktiver. Und wohin das Geld geht, dahin geht auch die Entwicklung.

 

Kommt dazu, dass das Punktesystem bei Gi Turnieren zu  absurden Kämpfen führen kann, bei welchen nur auf Zeit gespielt wird. Auch dies schätzen Zuschauer gar nicht. Man muss kein grosser Prophet sein, um vorauszusehen, dass Turniere nach Punktesystem bald einmal von Turnieren mit der Regel "submission only" vom Markt der Veranstaltungen verdrängt werden. Denn "submission only" versteht auch der laienhafte Fernsehfan und damit wird das Ganze wieder interessant punkto Marketing. Money rules the world.....aber abgesehen davon:

Mal Hand aufs Herz - schaut auch das nachfolgende Video an: no gi, no points, submission only.... - schlägt da das Herz nicht höher bei solch spannenden Kämpfen? 

Mein Tipp: Wettkampfinteressierte, fokussiert auf No Gi - submission only! Das ist die Zukunft.


Wer ist der beste Coach der Welt? Du selber!  (Who is the worldwide best coach? You!!)

Wir alle kennen BJJ Schüler, die mal hier, mal da trainieren. Sie wechseln die Coaches wie Schmetterlinge die Blumen. Sie bleiben eine Weile in einer Akademie, sind meistens zu Beginn hochmotiviert und plötzlich verschwinden plötzlich. Der Schmetterling hat eine andere schöne Blume gefunden, aber auch diese wird ihm nicht lange dienen. Was läuft hier falsch? Nun, es kann durchaus sein, dass jemand sich in einer Akademie nicht wohl fühlt. Dafür gibt es viele Gründe. In einem solchen Fall sollte ein Wechsel in Erwägung gezogen werden, denn die Akadamie sollte wie ein zu Hause sein. Meistens aber liegen den erwähnten "Schmetterlingen" ganz andere Motive zu Grunde. Es handelt sich erfahrungsgemäss um sehr wankelmütige Menschen, die ihr Heil in immer wieder neuen Heilsbringern suchen. Sie sind überzeugt, dass der Coach XY nun doch viel besser für sie sei. Ja, was läuft also falsch? 

 

Es geht darum, dass man im BJJ / Grappling - wie im Leben auch - Verantwortung für sein Tun übernehmen muss. Wenn ein Schüler in ein Leistungsplafond gerät, ist selten der Coach daran Schuld. Schuld ist in der Regel das mangelnde Reflexionsvermögen des Schülers, seine übersteigerten Erwartungen an sich selber. 

 

Wer als Schüler früh seine analytischen Fähigkeiten schult, wird schnell merken: der weltbeste Coach ist er selber. Der Trainer in der Akademie ist nur ein Inputgeber. Die Umsetzung liegt beim Schüler. 

 

Schüler sollten nie kritiklos irgendwelche Anweisungen übernehmen, von denen sie nicht überzeugt sind. Es geht um autonomes Denken und Freiheit im Handeln. Und guter Trainer wird dies unterstützen und verhält sich nicht wie ein allwissender Meister.

 

Der wahre Meister bringt keine Kopien hervor, sondern Originale. Darum: geht eueren eigenen Weg!


Hier ein schönes Beispiel für technische Variabilität

Im nachfolgenden Video sind zwei Kämpfer in einem "Submission only" Kampf zu sehen, einem Kampf ohne Punktesystem. Nur Submissions zählen in solchen Kampfformaten. Diesen Kampfformaten gilt ganz klar die Zukunft. Wir sind überzeugt, dass Kampfformate mit Gi und Punktesystemen, wie sie die IBJJF propagiert, im modernen Grappling bald der Vergangenheit angehören werden.

 

Im nachfolgenden Video sind zwei Kämpfer zu sehen, die durch technische Vielfalt und Raffinesse brillieren. 


Und hier ein krasses Beispiel für  BJJ mit Tunnelblick....

Im nachfolgenden Video sind zwei der weltbesten BJJ Kämpfer zu sehen. Beeindruckende Physis, beeindruckende Kondition, beeindruckender Tunnelblick! Leider.

 

Beide Kämpfer, deren Namen ich hier im Text nicht  erwähne, sind hochdekorierte Kämpfer im BJJ Zirkus. Ihre Wurzeln haben beide eher im Gi Bereich. Dass sie hier No Gi kämpfen, ist der Tatsache zu verdanken, dass eben dem No Gi die Zukunft gehört und natürlich auch Gi Weltmeister hier brillieren wollen.

 

Der Kampf allerdings könnte langweiliger nicht sein. Hier treffen zwei Vertreter des BJJ aufeinander, deren Tunnelblick ihnen vollkommen die Sicht auf erfolgreiche Angriffsmöglichkeiten versperrt.

 

Die ersten 15 Minuten des Kampfes kann man getrost weglassen. Sie sind an Monotonie kaum zu überbieten. In der Schlussphase des Kampfes wird es dann aus analytischer Sicht interessanter. Beide Kämpfer ermüden zusehends. Was im Gehirn eines Athleten dann geschieht, hat die moderne Hirn- und Trainingsforschung längst dargelegt: 

 

Mit zusehender Ermüdung diffundieren im Gehirn vermehrt Neurotransmitter, die jede Bewegung unweigerlich ungenauer machen. Jeder kennt das. So wäre es beispielsweise sinnlos, unmittelbar nach einem harten Krafttraining einen Schönschreibkurs besuchen zu wollen. Die Schrift wäre dann alles andere als Japanische Kalligrafie.....

 

Dass mit zusehender körperlicher Ermüdung aufgrund der genannten Prozesse an den Synapsen im Gehirn jede Bewegung ungenauer wird, ist nur der erste Problempunkt. Im Anschluss an diese neurophysiologische Problemlage folgt eine zweite: nämlich der Rekurs auf alle alten Bewegungsmuster, auch wenn diese für die aktuelle Situation völlig unpassend sind

 

So ist es in der vorliegenden Kampfsituation offensichtlich völlig unpassend und sinnlos, nur mit einem Guardpass gewinnen zu wollen. Aber in der Schlussphase des Kampfes kommt dem oben Kämpfenden gar nichts mehr anderes in den Sinn. Sein Gehirn, desorientiert durch physiologische Ermüdung, tut das, was alle menschliche Gehirne in einer solchen Situation tun: es gibt den Befehl aus - "wenn nichts mehr geht, dann mach das, was du zu Beginn deiner Sportkarriere gelernt hast und seither tausendfach wiederholt hast".

 

Ja und was lernt der traditionelle BJJ Kämpfer von Anfang an bis zum Überdruss? Guardpass, guardpass, guardpass.......

 

Wie soll bei einer solch monotonen Lernbiografie in einer entscheidenden Situation das Gehirn andere Bewegungsmuster abrufen können? Es kann es eben nicht, weil solche Bewegungsmuster nicht  von Anfang an als Optionen geübt wurden. 

 

Das vorliegende Video ist ein eindrückliches Beispiel dafür, wie hilflos heutige BJJ Weltklassekämpfer sein können, wenn der Start ihrer Karrieren mit allzu monotonen Strategien begann. In physiologischen Stresssituationen können sie nur mehr die ganz alten Bewegungsmuster abrufen. Diese Tatsache ist in der modernen Trainingslehre längst bekannt. Nun ist jedoch BJJ eine relativ neue Sportart. Es könnte durchaus sein, dass hirnphysiologische Erkenntnisse der modernen Trainingslehre noch viel zu wenig beachtet werden. Der monotone Kampf zweier der momentan Weltbesten, verstärkt jedenfalls diesen Verdacht erheblich. 

 

Im vorliegenden Kampf hat man mit dem oben Kämpfenden schon fast Mitleid. Nur zu gerne würde man ihm zurufen: "Jetzt schau doch mal, was der andere unter dir tut! Der streckt dir ja die ganze Zeit seine Beine als Opfergabe hin. Warum um Himmelswillen nimmst du diese dargebotenen Opfer nicht?"

 

Ich bin sicher, Weltklasseathleten im Grappling (ich schreibe hier bewusst Grappling und nicht Brazilian Jiu Jitsu) der Zukunft werden ganz anders kämpfen. Solche Monotonie wird in Zukunft von Weltklasseathleten gnadenlos bestraft werden. 

 

Darum: vermeidet den Tunnelblick, schaut über den Rand eurer Sportart hinaus. BJJ muss von Sambo, Ringen, Judo, armenischem Ringen etc. lernen und umgekehrt. Je früher man in seiner Karriere alternative Lösungsschemata im Training einbaut, umso grösser ist die Chance, dass diese später in einer Stresssituation abgerufen werden können. Daher ist es beispielsweise unverzichtbar gerade bei den White Belts, welche am Beginn ihrer Karriere stehen, alternativen zum Guardpass aufzuzeigen. Zu diesem Thema gäbe es - unter Berücksichtigung der modernen Trainingslehre - noch viel zu sagen. Dies erfolgt umfassend dann mal in Buchform.....Ich schreibe daran.....

 

Zurück zum sehr illustrativen Videobeispiel. Solch hilfloses Verhalten wie nachfolgend zu sehen ist, sollte bei Topkämpfern bald der Vergangenheit angehören.


Die meist vernachlässigte Position: Nord-Süd

High percentage submission position....oder: die meistunterschätzte Position im Brazilian Jiu Jitsu......ist....Nord-Süd.


Die meisten Grappling/BJJ Schulen betonen die Wichtigkeit der Positionsarbeit. First position, then submission. Längst aber werden nicht alle Positionen gleich intensiv trainiert. Der Fokus liegt oftmals auf der Mount, Sidemount, Backmount, Guard. Sträflich vernachlässigt wird vielerorts die Nord-Süd-Position. Dabei punktet die Nord-Süd-Position mit enormen Vorteilen:

  1.  Für den Gegner ist es sehr schwer, sich aus dieser Position zu befreien.
  2. Für den Gegner ist es sehr schwer, einen eigenen Angriff direkt unter einer Nord-Süd-Postition zu starten. Mata Leon wäre eine Möglichkeit, ja. Aber mit geringer Erfolgsaussicht.
  3. Dem Gegner wird weitgehend die Orientierung genommen. Ein Escape oder ein Angriff wird für den Gegner fast unmöglich.
  4. Selber kann man sehr direkt - ohne Umwege - Würger oder Armhebel ansetzen.
  5. Die Nord-Süd-Top-Position ist sehr stabil. Der Gegner kann keinen Sweep ansetzen.

Geht andere Wege! Be different...! Trainiert Nord-Süd!


BJJ Guard Pass a must? No!

Im klassischen Brazilian Jiu Jitsu gilt als Grundsatz: Passiere die Guard des Gegners. Diese Strategie ist insofern sinnvoll, als sie erlaubt, eine dominantere Position einzunehmen (Sidemount, Mount, Nord-Süd, Kesa Gatame etc.). Von der dominanteren Position dann - und dies ist letztlich die innere Logik eines Guard passes - lassen sich mit grösserer Wahrscheinlichkeit finale Techniken anbringen (Würger, Armhebel etc.). Diese innere Logik gilt es nachfolgend im Auge zu behalten. Zielführend jeder Aktion ist die Erhöhung von Wahrscheinlichkeiten. Wir passieren die Guard, weil wir dann mit einer höheren Wahrscheinlichkeit damit rechnen können, eine finale Technik anzusetzen. Wir verlagern bei viel kräftigeren Gegnern den Kampf bewusst auf den Boden, weil so die Wahrscheinlichkeit für einen geschulten BJJ Kämpfer erhöht wird, den Gegner mit einer finalen Technik ausser Gefecht zu setzen. Beschränken wir uns vorliegend auf die Strategie des Guard Passes: Ist die Wahrscheinlichkeit, eine finale Technik nach einem erfolgreichen Guard Pass anzubringen tatsächlich höher als wenn auf das Passieren der Guard bewusst verzichtet wird?


Eingefleischten BJJ Kämpfern mag diese Frage ketzerisch klingen, lernen sie doch von Beginn an das traditionelle Dogma: Blockiert dich eine Guard, dann Passiere sie! Nun weiss jeder, der schon etwas länger Brazilian Jiu Jitsu trainiert, wie energieverzehrend der Versuch sein kann, die Guard des Gegners zu passieren. Aber nicht nur die Energiekonsumation kann zum Problem werden, sondern bei einem Guard Pass kann auch einiges schief laufen. Immerhin ist die Guard eine Angriffsposition des Gegners. Es kann äusserst riskant werden, die Guard eines Guardspezialisten passieren zu wollen. 


Wir sehen uns also mit 2 Problemfeldern bei einem Guard Pass Versuch konfrontiert: 

1. Energieverschleiss

2. Riskantes Manöver


Beide Problemfelder bzw. Faktoren vermindern die Wahrscheinlichkeit einer finalen Technik. Und trotzdem halten die allermeisten BJJ Kämpfer in wenig strategischer, aber sehr monotonen Weise am Dogma fest: Passiere die Guard! Der Grund dafür mag in den Anfängen des Brazilian Jiu Jitsu liegen. In Kämpfen mit Gegnern, welche im Bodenkampf keinen oder fast keinen Plan hatten, war es eine lohnende Strategie, die Guard zu passieren und an die Steuerungszentrale des Gegners (Kopf) zu gelangen oder seine stärksten Waffen (Arme) ausser Gefecht zu setzen. Wer aber seine Kampfstrategie heutzutage ausschliesslich nach Grundsätzen ausrichtet, welche vor mehr als einem halben Jahrhundert entwickelt wurden, verschliesst die Augen vor Weiterentwicklungen. Erstaunlicherweise erliegt bis dato eine überragende Mehrheit der BJJ Kämpfer diesem Irrtum. An liebgewonnen Dogmen lässt sich vortrefflich klammern, aber klug ist dies nicht. Wer tut, was alle tun, ist wie alle anderen. 


Dabei gäbe es durchaus nahmhafte Beispiele von Kämpfern, die althergebrachte Dogmen mit grossem Erfolg durchbrechen. Kämpfer wie Taktarov, Aoki, Sakuraba, Gokor oder Palhares lehrten und lehren die Gegner das Fürchten und dies vor allem aus einem einzigen Grund: Sie gingen eigene Wege und hinterfragten Dogmen. Sakuraba beispielsweise schlug das Dogma: "Gib dem Gegner nie den Rücken" mit grossem Erfolg in den Wind.


Zurück zur Ausgangsfrage: Ist die Wahrscheinlichkeit, eine finale Technik nach einem erfolgreichen Guard Pass anzubringen tatsächlich höher als wenn auf das Passieren der Guard bewusst verzichtet wird? Die Antwort dazu lautet: Nein.


Wenn jetzt das Denken um die Frage des "Warum" beginnt, ist der erste Schritt zur eigenen Entwicklung gemacht!


Roberto Leitoa der Helio Gracie des Lutta livre

Vielen dürfte bekannt sein, dass zwischen Vertretern des Brazilian Jiu Jitsu und dem Lutta livre von Beginn an eine Rivalität bestand. Die Techniken sind sehr ähnlich, kein Wunder, stammen doch beide Stile aus Brasilien. Lutta livre jedoch ist ein No Gi Grappling Stil. Roberto Leitoa, weltweit anerkannter Meister des Lutta Livre, formulierte einige interessante Prinzipien, welche selbstverständlich auch für das BJJ gelten.

 

Roberto Leitao’s Ten Principals of Grappling

 

The principals of grappling which follow are from Luta Livre expert Roberto Leitao.

 

Roberto Leitao is in his mid 60’s and has a lifetime of experience with no-gi grappling. The principals are the result of more than 30 years of searching, analyzing and experimenting with grappling by Leitao.

 

Some of these principals may seem obvious and familiar. Nevertheless, seeing them in print may make you more aware of them which in turn will make you better able to utilize them. The numbered statement are meant by Leiao to be concise mnemonic devices. With these principals we can answer almost all questions says Leitao. We can know why, when and how. We can have a better understanding of how we should develop our strategy in grappling.

 

 

THE PRINCIPALS

 

If I don’t know, I will not allow.

If you do not know what it is that your opponent is attempting to do, do not let him do it. A strong opponent with little knowledge in grappling who obeys this principal will be tuff to defeat. Grappling is a continuous process. You have to block your opponent’s steps. This is the most important principal.

 

Unexpected attacks are dangerous ones.

Executing a technique always requires a variety of elements to come together. Generally speaking these elements include things such as leverage, base, positioning, timing, momentum, and control points or grips. If you can deny your opponent crucial elements for his technique, you can stop the technique.

 

Even if you do not know what your opponent is trying to do, you can discern the steps he is taking to make it happen and thwart those steps.

 

 A systematic repetition is always dangerous.

If you continue to show your opponent the same move you will give him the opportunity to anticipate it and counter it.

 

Keep the element of surprise on your side.

 

 Every part of our body must work 

It is natural that you concentrate your attention to the parts of your body that are involved in one situation while forgetting others that could give you a big help. Put them to work!

 

It is easy to concentrate on one element of a technique at the expense of others. For instance in executing an arm bar you might become so focused on having the proper grips with your own arms that you forget about putting your hips at a correct angle and how you should be employing your legs. Use everything. Use your torso and all of your limbs including your head in executing movements. This correlates with the principal of maximum efficiency espoused by Judo.

 

 

Keep in mind that your torso and upper legs are the strongest parts of your body. Beginners tend to con­centrate too much on what they are doing with their upper body at the expense of their core strength.

 

 

We must keep our forces at the same level of our opponent’s.

If you are with one arm going against two arms of your opponent, something is wrong. If you are matching the strength of your arm against you opponent’s leg, something is wrong.

This is not about meeting force with force. It is about avoiding situations where you may be overwhelmed by force.

 

 

An intelligent movement is a continuous movement.

 Keep moving. Use your opponent’s momentum and movement to your own advantage.

 

If you control the space you control your opponent’s Action 

Two objects cannot occupy the same space at the same time. Use your body to block your opponent’s movements.

 

Blocking your opponent from moving by putting yourself in the space where he wants or needs to go is easier then trying to control him moving him outright.

 

If you support properly, you support strongly.

Use the mat and your opponent’s body for support, not your own strength.

 

 

If you did not conquer the position, be suspicious of it.

“If there is a beautiful fruit on the side walk, it belongs to somebody or it’s spoiled inside.”

 

Be wary of what appears to be free. In the context of grappling positions you may be headed into a trap. Players will appear to give something only so they can take something better.

 

 

Don’t show what you are feeling, only what is convenient for you.

If your opponent doesn’t know how you are feeling about a position, he will not know what he should do.

Don’t telegraph your intensions. In grappling that usually happens when you start making pressure the way you want to go before the moment arrives. It also can happen because you tense up the muscles you are go­ing to use, or because you change your breathing. On the other hand you can fake your opponent into believing he knows what you are going to do by any of those means and thereby coax him into reacting in a way that suits you.

 

You must always do something.

If you don’t do anything your opponent will be more efficient in his attacks but he does not need to worry about yours.

 

Don’t allow your opponent to dictate the fight and don’t be passive. 


BJJ ab 40 jahren....

Hier einige interessante Einsichten eines BJJ Coaches, der weit über seinen 40 Jahren ist. 

(Zusammenfassung in Deutsch)

 

1. Akzeptiere Deine Limiten. Was Du früher einmal konntest, geht heute teilweise nicht mehr. Dafür kannst Du auf Techniken fokussieren, die dir wirklich liegen. Eliminiere Techniken, von denen du weisst, dass du dich verletzen könntest.

 

2. Achte darauf, mit wem du Randori machst. Bei Brown und Black Belts bist du meist auf der sicheren Seite, weil die längst ihr Ego abgelegt haben. Aber Achtung: es gibt auch Ausnahmen....Vermeide zu grosse Gewichtsunterschiede. Wenn du 20 bist, geht das. Ab 40 fängst du dir möglicherweise eine Verletzung ein.

 

3. Kein Randori mit Leuten, von denen du weisst, dass sie sich nicht im Griff haben! Wir kennen das alle: Viele sind zu Beginn eines Randoris relaxed, dann aber steigert sich das Ganze zu einer altgriechischen Pankration. Solchen Leuten fehlt "der Kippschalter" im Kopf. Sie sind unverbesserlich. Tappen ist für sie jedes Mal eine persönliche Niederlage. Rolle nie mit Leuten, die den Unterschied von forderndem Randori und zerstörerischen Randori noch nicht begriffen haben.

 

4. Tappe früh genug. Es macht keinen Sinn, eine Americana 4 Minuten lang zu verteidigen. Gestehe dir ein, dass die Fehler schon viel früher passierten. Wer ab 40 zu lange eine offensichtliche Submission verteidigt, riskiert Kopf und Kragen. Also Tappen!

 

5. Achte auf genügend Pausen während der Woche.

 

6. Geh deinen eigenen Weg. Vergleich dich nicht mit Jüngeren, Kräftigeren. Sie holen dich schnell ein. Na und?

 

Und hier der englische Originaltext: 

 

„I love BJJ and hope to continue doing it forever but in order to do so I need to be smart and follow a few simple guidelines.

Here are some tips for the over 40’s based on my own personal experience

 

Accept your Limitations

Do not try to match the strength, stamina, speed and endurance of somebody 20 years your junior. There’s no point, they will better you every time. Accept that you are not as resilient as you used to be and if you don’t train smart then you are more than likely going to get injured.

Choose your Rolls

You should always be mindful about who you roll with. Some people hurt you, no matter how careful they try to be. Unless your coach has specifically told you otherwise, you should choose to roll with people who you can trust to roll safely. That’s not to say you should avoid difficult rolls or pick easy rolls, on the contrary, but you do need to be smart about who you roll with. If you weigh 60kg don’t be rolling with somebody who is 95kg, that’s just not smart. If you were 20 years old and 60kg and your opponent was 40 and 95kg, then that’s different and would probably be quite an evenly matched roll.

Do not roll with people who you know will hurt you

Regardless of age or size, some people are just blatant idiots, this applies to white belts right through to black belt, although in most cases most brown and black belts have all but lost their ego and are usually safe. Some people just thrive on rolling hard and invariably they injure their opponent, whether unintentionally or otherwise. Other people roll hard, even when they are supposed to be slow rolling, there’s just something in their head that they can’t turn off. If you know from experience that somebody has real trouble understanding the difference between training hard and being a dick, then avoid them

Tap Early

There is absolutely no point spending 4 or 5 minutes trying to muscle out of a submission that is blatantly on. Especially when your opponent is 20 years younger and has the endurance of a triathlete and the strength of an ox.

  • Be Smart
  • Check your Ego
  • Tap Out
  • Start Again

Take a few Days Off

These days I only roll 2 – 3 times per week. Its enough. Tuesday and Thursday evenings I roll no gi with a group of guys who are all blue belt and above, many of whom are amateur and professional mma fighters. Even though I am usually older than most people by 20 years, everybody trains safe and everybody is respectful of who they are rolling with. Mondays or Wednesdays I usually roll in a gi class, this is a harder session for me because there are white and blue belts in the class who don’t purposefully try to hurt me but still have a point to prove. If I try and match them, I will most certainly injure myself. Dependent on who I am rolling with, I oftentimes play a good defensive game in the gi classes.

I often feel sore and more exhausted after the gi classes which is ironic as the gi usually slows the pace. Perhaps because I am on bottom a lot.

Don’t Judge Yourself by the Progress of Others

It took me around 3 years to achieve my blue belt and then a further 2 years to achieve my purple. During that time I witnessed other, younger people join the gym and receive their blue in 1 year and others receive their purple in 12 – 18 months. I have also noticed people who started training at the gym 3 or 4 years later than me, catch me up and even overtake my progress at an alarming rate. Guys I used to dominate are now dominating me. You have probably seen similar things happen in your gym? That my friends is Jiu Jitsu Evolution. Don’t let it phase you or bother you, if you look at those people who got promoted much quicker or started well after you but have suddenly progressed well beyond you, you will probably see somebody who is usually a lot younger, who can train a lot more than you and who has the athleticism, youth and resilience to not get fatigued or injured. Don’t worry about it.     


Most efficient submissions

Welches sind die effektivsten Techniken, um einen Kampf zu beenden? Aufgrund einer Auswertung von hunderten MMA Kämpfen ergibt sich eine klare Reihenfolge. Top Technik ist der rear nacked chocke, auch mata leon genannt. Die weiteren Ränge seht ihr in der nachfolgenden Grafik. Die Reihenfolge ist besonders aufschlussreich für die Positionsarbeit! Denn immer gilt: first position then submission.



Frau verteidigt sich erfolgreich gegen einen Vergewaltiger in England mit einem Brazilian Jiu Jitsu Triangel Chocke

Eine 25 jährige Frau wurde in England angegriffen und entging der Vergewaltigung mit einem Triangel Choke aus der Guard. Das Beispiel zeigt eindrücklich einmal mehr, die hohe Effizienz von Brazilian Jiu Jitsu, wenn es um Selbstverteidigung für Frauen geht. 


Der Tathergang war wie folgt: Die Frau wurde vom Angreifer auf dem Nachhauseweg zu Boden gerissen. Als der Angreifer über ihr war und sie zu würgen und schlagen versuchte, setzte die Frau als erstes einen Armhebel (armbar) aus der Guard an. Der Angreifer jedoch konnte seinen Arm in letzter Sekunde befreien. Dann versuchte der Angreifer ihre Hose zu öffnen. Die Frau, immer noch auf dem Rücken liegend, erkannte blitzschnell den taktischen Fehler, den der Angreifer damit machte. Im Brazilian Jiu Jitsu lernen wir, dass es nicht ratsam ist, in Selbstverteidigungssitationen einen Arm zwischen die Beine der am Boden liegenden Person zu legen. Der Vergewaltiger gab damit nämlich den Weg frei für einen klassischen Triangelchoke. Innert Sekunden würgte die Frau ihn mit dieser BJJ Technik, welche keine grosse Körperkraft voraussetzt, zur Bewusstlosigkeit.


Nachfolgend ist die Rekonstruktion der Selbstverteitidungstechnik zu sehen.


Interessantes Interview mit Rickson Gracie über den Unsinn der heutigen BJJ Wettkampfregeln

Viele, sehr viele BJJ Wettkämpfe mit GI sind zum Einschlafen langweilig geworden. Schuld daran sind die aktuellen Wettkampfregeln.  Wie oft halten die Athleten eine Position und schielen auf die Stoppuhr....nur um ihre Punkte in den sicheren Hafen zu bringen.  Die Athleten beschränkten sich leider oft auf das endlose Ärmelgezerre wie z.B. hier: https://www.youtube.com/watch?v=88S0nbYwHwk. Das ist nicht nur langweilig, sondern auch realitätsfremd.

 

Wettkampf BJJ hat sich sehr weit von der Realität wegbewegt und hat leider nichts mehr zu tun mit den Kämpfen der 20er -70er Jahre. Damals stand noch die Selbstverteidigung im Zentrum, Punkte gab es keine: Submission only! Wir können uns glücklich schätzen, mit Meister Derval einen Mentor gefunden zu haben, der den Aspekt der Selbsverteidigung sehr betont. Meister Dervals Schüler, Alberto Ferrer, der uns ebenfalls tatkräftig unterstützt und mit welchem Commando 11 zusammen arbeitet, steht in dieser Traditionslinie. 


Mehr in Richtung Selbstverteidigung gehen neue Wettkampfformate  wie Metamoris - von den Gracies selber ins Leben gerufen und meist im No Gi Style. Das ist der richtige Weg zurück zum Grundgedanken der Selbstverteidigung, den wir bei Commando 11 stets betonen. Der Gründer von Commando 11 hatte selber das Glück, in sehr jungen Jahren mit dem militärischen Nahkampf in Berührung zu kommen. Es war eine Zufälligkeit des Lebens, aber seither hat ihn der Gedanke realistischer und effizienter Selbstverteidigung nie mehr losgelassen. 


Im Interview bekräftigt Rickson Gracie, zurück zur Realität zu wollen, zu Selbstverteidigung und Effizienz von Verteidigungstechniken. 


Im Interview spricht er auch davon, wie wichtig es ist, sich einen Club zu suchen, wo man sich wohl fühlt, verletzungsfrei Trainieren kann - egal welchen Alters - und ein freundschaftlicher Umgang herrscht. Wie wahr! Da scheint Rickson Gracie Commando 11 aus dem Herzen zu sprechen. 

 


Wohin die Reise des modernen BJJ geht...

In Metamoris 6 kämpfte Ryron Gracie gegen Josh Barnett. Es war ein Kampf David gegen Goliath. Ryron kämpfte nicht wie früher mit Gi (vgl. den Kampf Ryron Gracie vs Andre Galvao in Metamoris), sondern er trat mit einem Rushguard an. Dies zeigt die Grösse und geistige Offenheit von Ryron neuen Entwicklungen gegenüber. Im Interview nach dem Kampf gestand er offen seine Niederlage ein. Er verlor bezeichnenderweise durch einen Toe-hold - eine Technik, die in die Kategorie der Leglocks etc. gehört. Nachfolgend das sehenswerte Interview nach dem Kampf.  Den eigentlichen Kampf seht ihr bei den Videos unter der Rubrik "BJJ Lernen".


Keep thinking...do it your  way...

Der Kopf ist der wichtigste Muskel, sagte mal jemand. Richtig, es gibt klügere Trainingsformen als in Fitnesscentern monotone Bewegungen zu wiederholen. Wer nur jogged, ein paar Klimmzüge macht und mal Gewichte stemmt, muss sich nicht wundern, wenn das Bewegungsrepertoire verkümmert. Unser Gehirn speichert neuronal dann nur einen ziemlich verkümmerten Strauss an Bewegungsformen ab. Unser Gehirn - mit monotonen Bewegungen geschult - wird dann auch nur einfältige Antworten auf neue Bewegungsanforderungen haben. Ein Beispiel: Bankdrücken an einer Maschine schult das Gehirn, verschiedene Gewichte vertikal in die Höhe zu stemmen und kontrolliert wieder abzusenken. Mehr aber nicht. Die Muskeln wachsen toll, weil der Trainingsreiz genügend hoch ist. Aber: Im Gehirn ist für diese Muskeln vor allem eine Bewegung neuronal abgespeichert - stemmen, stemmen, stemmen. Welche Antwort wird das Gehirn eines solchen Menschen bevorzugen, wenn er unter der Mount festgeklemmt ist? Richtig: stemmen, was die Muskeln hergeben. 

Unser Gehirn ist "the ultimate use it or loose it machine". Fordert euer Gehirn im Training! Macht Liegestützen an Ringen, auf Bällen, balanciert, klettert über Hindernisse, springt über Hindernisse, fahrt Einrad oder Skateboard, spielt Basektball oder was immer. Aber behaltet eines im Auge: Keine Monotonie! Sie macht das Gehirn träge und fordert den Körper auf lange Sicht zu wenig.  Geht nach draussen und betretet die grösste Spielwiese: die Natur. "Do it your way!. 


Luciano Derval (8. Grad BJJ) am Samstag, 20. September 14h - ca. 17h bei Commando 11

Luciano Derval (Bild Mitte) ist weltweit eine Legende und Mitbegründer des Weltverbandes IBJJF. Berühmt wurde er unter anderem wegen seines Kampfes in den 60ern gegen den besten aller Gracies, Rolls Gracie (älterer Bruder der legendären Rickson und Royce Gracie. Rolls Gracie starb bei einem Gleitschirmunfall.) Nur ganz selten bekommt man die Gelegenheit, noch lebende Legenden persönlich kennen zu lernen. Am 20. September besteht in der SLA diese einmalige Gelegenheit. Sicherlich könnt ihr Mestre Derval, dem der Ruf eines sehr freundlichen Menschen voraus geht,  auch Fragen zu den wilden Anfängen der Vale Tudo Kämpfe in Brasilien stellen. Von 14h - ca. 17h ist er bei uns in der SLA.

 

Eine Zusammenarbeit der SLA mit einem seiner Schüler, Alberto Ferrer (Black Belt) ist geplant. Damit besteht die seltene Chance, authentisches BJJ in Zukunft weiter zu vertiefen.

 

Bitte meldet euch via Mail, SMS oder persönlich bei mir an. Wir werden Mestre Derval und Alberto Ferrer einen Unkostenbeitrag zukommen lassen. Ich werde am Seminartag einen Topf hinstellen und jeder kann einen Betrag nach seinem Ermessen reinlegen. Einen Grossen des BJJ bei uns zu haben, ohne tief in den Geldbeutel greifen zu müssen, zeugt von wirklichem Grossmut eines solchen Meisters!

 

Wir freuen uns sehr das Kommen von Mestre Derval und Alberto Ferrer!

 


So sollte Randori sein...

  Marcelo ist etwa 20 kg leichter. Der Schüler nimmt darauf Rücksicht. 


Legendäre Kraft genannt "Gi"

Da ich schon selber mal Bekanntschaft mit einem Vertreter der GI-Kraft Fraktion machte, stelle ich als Beitrag aus der Sparte "Absurdistan" hier dieses Video rein. No comment....!

 

 

 

Entscheidend ist die Positionsarbeit. Submissions sind nur das Sahnehäubchen

Interessante Analyse zur Positionsarbeit