Ein paar Worte zum Namen Commando 11...

Im Alter von 11 Jahren erlernte ich in Rom Techniken des militärischen Nahkampfes. Mein Lehrer war ein Bekannter der Familie und Kommandant einer Spezialeinheit.  

 

Unvergessen bleiben unsere Selbstverteidigungsübungen des militärischen Nahkampfes im heissen Sand von Circeo.  Damals wurde mein Interesse an realistischen Selbstverteidigungstechniken geweckt.  Fortan beeindruckte mich nie mehr die blosse Eleganz einer Technik. Im Gegenteil: bereits in jungen Jahren erschienen mir all die high kicks, roundhouse kicks, die betont tiefen Standtechniken gewisser Kung Fu Richtungen oder einiger Karatestile und ganz allgemein die realitätsfremden Schlagabwehrvariationen vieler Kampfkunstarten unbrauchbar. All dies sah in Filmen gut aus. Aber bereits mein Lehrer hatte am Strand von Circeo  schon sehr "trockene" und vernichtende Antworten aus dem militärischen Nahkampf auf viele dieser "schönen" Techniken. Selbstverständlich konnte ich in meinen späteren Wettkämpfen die meisten Techniken nie anwenden. Das Regelwerk der Tourniere liess diese Techniken gar nicht zu. Aber ich behielt sie als innerer Kompass auf meinem Weg auf der Suche nach effizienter und realistischer Selbstverteidigung stets vor Augen.

 

Seit rund 40 Jahren bin ich ein Suchender. Der Weg führte mich über das traditionelle Jiu Jitsu, Karate, Kung Fu und Wing Tsung schliesslich Mitte der 90er Jahre zur Schlussfolgerung, dass nichts meinem inneren Kompass entsprach. Vieles war in realen Selbstverteidigungssituationen unbrauchbar, obwohl die Trainer und grossen Meister stets betonten, "ihre" Kampfkunst sei die Beste. Sie meinten es bestimmt alle gut. Aber mit 11 Jahren hatte mir in Rom jemand die Augen geöffnet.....

 

Ich begann die altgriechische Pankration zu studieren, welche bis dato - so meinte ich - die einzige Kampfform war, in welcher alles erlaubt war. Die Pankration aus dem alten Griechenland war geschichtlich gesehen für die Kampfkunst wohl ein exotischer Glücksfall. Nie zuvor und nie danach wurden Kämpfe ohne Waffen so kompromisslos und radikal vor Publikum ausgetragen. Die Pankration kam daher realen Kämpfen auf der Strasse sehr nahe. Leider erschliessen sich aus den 2000 Jahre alten Schilderungen der olympischen Wettkämpfe in der Disziplin "Pankration" (Allkampf) nur wenige Details über die Techniken. Aber einiges konnte ich trotzdem lernen und diese Techniken lagen genau auf der Linie meines Kompasses. 

 

Unvergessen bleibt mir dabei die Schilderung eines Kampfes des berühmten Pankratiasten Theogenes aus dem 5. Jahrhundert vor Christus. Aus den historischen Quellen wird ersichtlich, dass Theogenes mit durchschlagendem Erfolg eine einzige, simple Technik immer wieder anwandte und so unzählige Kämpfe gewann. Die vernichtende Logik dieser einfachen Technik schärfte meinen Blick für realistische Selbstverteidigung.

 

1996 war es soweit: Ich gründete meine eigene Trainingsgruppe. Wir nannten unseren Stil schlicht "Pankration" und trainierten einige Jahre regelmässig. Radikal eliminierten wir alle Techniken, die uns für realistische Selbstverteidigung nicht tauglich schienen. Manchmal zogen wir Motorradhelme an, damit wir in der Nahdistanz unsere Ellenbogen und am Boden die Knie einsetzen konnten. Den krachenden Ton der Motorradhelme werde ich nie vergessen. Unsere Pankration sah bestimmt nicht gut aus, keine hohen Kicks und anderer Unsinn. Aber wir wussten: Bei einem Angriff funktionieren die Techniken. 

 

2003 dann kam ich auf meiner steten Suche nach effizienter und funktionaler Selbstverteidigung mit Brazilian Jiu Jitsu in Berührung. Ich wusste sofort: das ist es, wonach ich immer suchte. Viele Techniken gleichen der altgriechischen Pankration (z.B. der bekannte Kimura). Der Fokus liegt beim BJJ ebenfalls auf der realistischen Selbstverteidigung und BJJ hatte - wie die altgriechische Pankration - zahllose Vergleichskämpfe mit allen anderen Kampfkünsten hinter sich und erwies sich als radikal überlegen. 

 

Seit 13 Jahren nun bin ich auf dem Weg des Brazilian Jiu Jitsu. Und immer noch leitet mich der innere Kompass von damals. Was für mich zählt, ist Realitätsnähe und Funktionalität der Techniken. Es gibt im BJJ mittlerweile schon lange Wettkämpfe mit vereinheitlichten Regeln. Regeln schränken selbstverständlich stets den Einsatz gewisser Techniken ein. Dieses "Sport"-BJJ ist wertvoll, weil es als Labor für neue Entwicklungen dient. Bei Commando 11 lernen wir alle Techniken - auch jene der eher wettkampfbetonten Richtung. Aber getreu meiner nun schon bald 40 jährigen Suche nach realistischer Selbstverteidigung, lege ich im Training das Gewicht besonders auch auf Techniken, die bei einer realen Bedrohung zum Einsatz kommen sollten. 

 

Motorradhelme ziehen wir mittlerweile  keine mehr an. Aber den heissen Sand von Circeo spüre ich immer noch unter meinen Füssen. Was mit 11 Jahren begann wird noch lange dauern: Die stete Suche nach Techniken, die den Namen "Selbstverteidigung" verdienen. 

 

In Erinnerung an den zähen Kommandanten in Rom, an seinen Mut, seine Kugeln, die er im Leib trug und in Dankbarkeit für seine unzähligen, geduldigen Lektionen im militärischen Nahkampf am Strand von Circeo trägt unsere Akademie den Namen "Commando 11".